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Japan und seine Kaffeekultur

Japan und seine Kaffeekultur

Von Kissaten-Präzision bis zum ersten Kaffee in der Dose

 

Japan war lange ein Land der Teekultur. Kaffee, der um 1700 von niederländischen Händlern über Dejima (Nagasaki) eingeführt wurde, galt zunächst als bitter und fremd. Doch statt ihn abzulehnen, formte Japan den Kaffee neu – langsam, sorgfältig und auf ganz eigene Weise.

In den 1920er-Jahren veränderten die Kissaten das Kaffeeerlebnis. Keine lauten Cafés, sondern ruhige, intime Orte, an denen ein „Master“ Kaffee präzise zubereitete – oft mit Siphon oder Nel Drip (Stofffilter). Viele Läden wurden für ihre eigene Hausmischung berühmt. Kaffee wurde so zum Ritual: bewusst, ruhig und persönlich.

Dann kam die Ära der Bequemlichkeit. Im April 1969 brachte Tadao Ueshima, Gründer der UCC Group, den weltweit ersten Kaffee mit Milch in der Dose auf den Markt. Kaffee musste nun nicht mehr nur im Café genossen werden – Ueshima machte ihn jederzeit und überall zugänglich.

UCC: Kaffee in der Dose (1969)
Quelle: PR TIMES

Der Ursprung der Idee wird oft auf einen Moment am Bahnhof zurückgeführt: Eines Tages kaufte Kamishima an einem Bahnhofskiosk eine gekühlte Flasche Kaffee mit Milch. Doch als das Abfahrtsignal erklang und es zu jener Zeit üblich war, Glasflaschen am Kiosk wieder zurückzugeben, musste er die Flasche – noch mit einem Rest des Getränks – abgeben.

Diese Erfahrung führte zur Idee, eine „konservierte“ Version zu entwickeln, die sich lange bei Raumtemperatur lagern und bequem im Auto mitnehmen lässt. Er selbst übernahm die Initiative und begann mit der Entwicklung. Mit einem grossen Auftritt auf der Expo ’70 in Osaka wurde Dosenkaffee schnell massentauglich.

Fertiger Kaffee und Verkaufsautomaten machten ihn allgegenwärtig – leicht zu greifen, unterwegs zu trinken – und eine ganze Generation wuchs mit Kaffee als täglicher Selbstverständlichkeit auf.

Als Kaffee zum Alltag wurde, entwickelten sich auch die Ansprüche. Die Menschen suchten nach klareren Aromen und mehr Kontrolle in der Zubereitung – ein Wandel, der den Pour-over-Boom vorantrieb.


Im Jahr 2005 stellte HARIO den V60 vor: ein 60°-Kegel, spiralförmige Rippen für gleichmässigen Durchfluss und eine grosse Öffnung, sodass die Extraktion von Mahlgrad und Giesstechnik abhängt – nicht vom Dripper.

V60 Produktion in Arita
Quelle: Hario

Der V60 steht für Japans Kaffee-Denkweise: klare Form, präzise Technik, wiederholbares Ritual. Hier bestimmt nicht das Gerät den Geschmack, sondern die Hand des Barista.

HARIO V60 Dripper
Quelle: Kurasu

Heute wird Kaffee in Japan meist schwarz getrunken – gefiltert, sauber, ausgewogen und sorgfältig gebrüht. Dazu gibt es häufig Toast, Butter oder einfache Süssigkeiten. Unterwegs bleibt Dosenkaffee – schwarz oder leicht gesüsst mit Milch – ein fester Bestandteil des Alltags.


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